Besitzerinfo zum Thema EOTRH

Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis (abgekürzt: EOTRH) ist eine sehr schmerzhafte parodontale Erkrankung bei Pferden, die im Bereich der Zähne und des Zahnfleisches auftritt. Sie entsteht vorwiegend bei älteren Pferden und betrifft hauptsächlich die Schneidezähne und die Hengstzähne.

Zur Ursache der Erkrankung gibt es bis heute keine gesicherten Erkenntnisse. Diskutiert werden verschiedene Ursachen:

1. Höhere mechanische Belastung der Schneidezähne , insbesondere wenn diese zu lang sind. Dies betrifft meistens ältere Pferde (>15J.).

2. Parodontitis, Parodontose, Zahnsteinbildung

3. Mangelnde Durchblutung im Bereich der Zahnwurzeln und damit einhergehende Entstehung von Nekrosen.

4. Genetische Ursachen (?)

Die charakteristischen krankhaften Veränderungen betreffen die Zahnwurzel. In den Zähnen gibt es Zellen die Zahnsubstanz aufbauen und solche, die sie abbauen. Bei einem gesunden Zahn befindet sich dieses System im Gleichgewicht. Die Zellen , die die Zahnsubstanz abbauen heißen Odontoklasten. Im Zuge dieser Erkrankung werden odontoklastische Zellen übermäßig aktiviert. Den daraus resultuierenden Abbau der Zahnsubstanz bezeichnet man als Resorption. (Odontoclastic Resorption).


Als Reaktion auf den Abbau der Zahnsubstanz verdickt sich die normalerweise dünne Zementhülle des Zahnes. Es kommt zu einer knollenförmigen Auftreibung im Bereich der Zahnwurzel. Diese bezeichnet man als Hypercementosis.
Wie oben bereits erwähnt, sind auch Zahnfleischentzündungen und Zahnsteinbildung ursächlich für die Entstehung der Erkrankung. Die daran beteiligten Bakterien führen zu Infektionen des Zahnfleisches und des Zahnfaches. Anfangs führt dies zu Rötungen der Schleimhaut, später kommt es zu kleinen Abszessbildungen mit Austritt von eitrigem Sekret.


Foto: Dr. Martens, Pferdeklinik Bockhorn Schneidezähne - starke Zahnfleischentzündung, massive Zahnsteinbildung, einzelne Fistelkanäle, knollenförmige Umbildung der Zahnwurzeln


EOTRH ist bisher nicht heilbar! Zur symptomatischen Besserung, wird der Tierarzt im Anfangsstadium der Erkrankung die Schneidezähne zur Druckentlastung kürzen, den Zahnstein entfernen, und den Besitzer anweisen, soweit es möglich ist, die Zähne und insbesondere die Zahnzwischenräume zu reinigen. Zur Begrenzung der Entzündung kann das erkrankte Zahnfleisch mit desinfizieren Lösungen betupft werden.

Nur durch Röntgenaufnahmen der veränderten Zähne und des Kieferknochens, kann eine klare Einschätzung des Ausmaßes der Erkrankung erfolgen. Sind die Befunde hochgradig, bleibt nach Ausschöpfung der konservativen Behandlungsmaßnahmen nur die Entfernung der betroffenen Zähne.

Den Pferden geht es schon kurze Zeit nach der Zahnextraktion wesentlich besser. Das Fressverhalten normalisiert sich und durch das Abklingen der chronischen Zahnschmerzen entwickelt sich schnell wieder ein gesundes Allgemeinbefinden.

Um die Entstehung dieser Erkrankung zu vermeiden, ist es ratsam, mindestens einmal jährlich eine Zahnkontrolle durchführen zu lassen.


Foto: Dr. Martens, Pferdeklinik Bockhorn Knollenförmige Auftreibungen der Zahnwurzeln - (Hypercementosis) - 1 -


Foto: Dr. Martens, Pferdeklinik Bockhorn Knollenförmige Auftreibungen der Zahnwurzeln - (Hypercementosis) - 2 -


Foto: Pferdeklinik Bockhorn Röntgenbild eines Unterkiefers - knollenförmige Auftreibung der Zahnwurzeln, Auflösung der Zahnsubstanz


Foto: T.Roewer, Pferdeklinik Bockhorn Zustand ca. 8 Wochen nach einer kompletten Entfernung der Oberkieferschneidezähne und einzelner Unterkieferschneidezähne.


Literatur:

> Carsten Vogt: Lehrbuch der Zahnheilkunde beim Pferd. Schattauer Verlag für Medizin und Naturwissenschaften, Stuttgart 2011,ISBN 978-3794526901

>Dr. Timo Zwick, Medizin-Kompendium (Cavallo)


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