Das Equine Cushing Syndrom (ECS)

Definition

Die ursprüngliche Benennung der Erkrankung mit dem Begriff ECS lässt sich auf die Ähnlichkeit der Krankheit bei Mensch und Hund zurückführen.
Der neue und präzisere Bezeichnung – Pituitary pars intermedia dysfunction (PPID)- bezieht sich auf die Lokalisation der Krankheit.
(Weiteres Synonym: Hypophysenadenom)

Dieser Erkrankung betrifft vorwiegend alte Pferde und Ponies ab einem Alter von ca. 19 Jahren bei der sich ein gutartiger Tumor (Adenom) im Bereich der Hirnanhangsdrüse (der Pars intermedia der Hypophyse) bildet.


Pathomechanismus

Der gutartige Tumor im Bereich der Hirnanhangsdrüse verursacht durch seine Anwesenheit eine Hypertrophie der Hirnanhangsdrüse und/oder eine Druckatrophie von Hirnanhangsdrüsengewebe sowie Kompression anliegender Bereiche.
Durch diesen Vorgang reagiert die Hirnanhangsdrüse als wichtiges Organ im Hormonstoffwechsel mit einer Überaktivität in der Hormonproduktion.
Die Folge ist eine erhöhte Produktion von spezifischen Hormonen.
Dadurch wird eine Reaktionskette ausgelöst, in der ein Hormon die Überproduktion eines anderen auslöst, das wiederum regt die Überproduktion eines weiteren Hormones an …. . Bei dieser Kette kommt es nicht wie üblicherweise zu einer Hemmwirkung durch die produzierten Hormone, wenn genügend Hormon vorhanden ist (negativer „Feedback“).
Betroffene Hormone sind:


Pro-Opiomelanocortin und Spaltprodukte dieses Hormones (ACTH, CLIP,
a-MSH, Lipoproteine, Endorphine etc.)
Desweiteren ist der zirkadiane Rhythmus des Kortisolspiegels gestört. In der Regel liegt keine Erhöhung des Kortisolspiegels vor.
Dopaminkonzentration ist durch andere Hormone vermindert. Dadurch fehlt die inhibitorische Wirkung des Dopamins.

Symptome

Hirsutismus 55-80% der erkrankten Pferde leiden an überlangem, gelocktem und dickem Haarkleid mit fehlendem Haarwechsel.
Gelegentlich zeigen die Pferde lokale Haarlosigkeit (Alopezie).
Polyurie/Polydipsie (vermehrter Harnabsatz/vermehrte Wasseraufnahme) Verursacht durch eine Glukosurie;
Muskelatrophie und Gewichtsverlust Typischerweise zeigen die Pferde einen Senkrücken und Pendelabdomen.
Apathie
Reduziertes Schmerzempfinden (Durch die erhöhte und anhaltende Endorphinproduktion;)
Ödeme (Durch mineralkortikoide Effekte;)
Retroorbitale Fettdepots/“Speck“-Hals (Durch eine Fettumverteilung;)
Hyperhidrose Vermehrtes (lokales) Schwitzen;

Begleiterkrankungen

Hufrehe (Verursacht durch eine Hyperinsulinämie und häufig sehr therapieresistent;)
Infektiöse Hauterkrankungen (Verursacht durch eine Immunsuppression;)
Zahnerkrankungen und Sinusitis (Verursacht durch eine Imminsuppresion;)
Pneumonie (Verursacht durch eine Immunsuppression;)
Abszesse (Verursacht durch eine Immunsuppression;)
(Narkolepsie und/oder Epilepsie)
(Infertilität)

Diagnostik

Bereits das klinische Bild (äußeres Erscheinungsbild) lässt eine gesicherte Diagnose zu.
Jedoch ist für eine erfolgreiche Behandlung des Pferdes mit therapiebegleitenden Verlaufkontrollen und angepasster Medikamentendosis die Erhebung eines Hormon- und Stoffwechselprofils außerordentlich wichtig.


ACTH (Verschiedene Tests sind möglich. Jedoch unterliegen diese Tests einer Jahreszeitenabhängigkeit. Ansonsten sind falsch-positive bzw. falsch-negative Ergebnissen möglich!!)
Insulin, Glucose und Triglyceride (Zur Abgrenzung bzw. Ausschluß von weiteren Stoffwechselerkrankungen wie Hyperlipidämie und Equines metabolisches Syndrom;)

Therapie

Pergolid bzw. Pergolidmesilat (Prascent® Böhringer Ingelheim)Das Pergolidmesilat ersetzt beim erkrankten Pferd das fehlende hemmend wirkende Dopamin. Dieser „Dopaminersatz“ wirkt hemmend auf den hormonüberproduzierenden Anteil der Hirnanhangsdrüse. Die Folge ist eine Senkung der unphysiologisch hohen Konzentration der Hormone wie ACTH, CLIP, Lipoproteine, Endorphine und MSH.
Für eine Dosisanpassung des Medikamentes wir anfänglich im 8-wöchigen Rhythmus der ACTH-Spiegel überprüft.
Die Erkrankung ist chronisch, da der Tumor in der Hirnanhangsdrüse nicht behandelbar ist. Das bedeutet, dass die Behandlung mit dem Pergolidmesilat lebenslang ist!


Fütterung

Futterrationskalkulation (Ableitung des Energie- und Nährstoffbedarfes unter Berücksichtigung der Körpermasse und Arbeitsleistung;)
Heu zur freien Verfügung (mindestens 1,5Kg/100Kg Körpergewicht)
Wasser ad libitum
Fütterung in vielen kleinen Portionen
Bei hohem Energiebedarf Austausch von Stärke gegen Fett (Planzenöl, Reiskleie, kommerzielle stärke- undzuckerreduzierte Mischfutter)
Vorbeugung des Muskelaufbaues durch Aminosäurenpräparate (Soja- oder Leinenextraktionsschrot, kommerzielle Aminosäurepräparate)
Adäquate Zink- und Vitamin C-Versorgung

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