Die Druseerkrankung der Pferde

Die „Druse“ ist eine hochansteckende bakterielle Erkrankung der Equiden, hervorgerufen durch Streptococcus equi subspezies equi (Sc. equi ssp. equi).
Es erkranken vornehmlich Pferde im Alter zwischen 1 und 5 Jahren. Häufig sind jedoch nahezu alle Pferde eines Bestandes betroffen. Durch die Infektion entsteht eine für 3 bis 4 Jahre belastbare Immunität.

Die Bakterien werden durch direkten Kontakt mit kranken Pferden übertragen oder vektoriell durch beispielsweise Kleidung, Ausrüstung, Stallgeräte und Transporter verschleppt. Pferde können nach der akuten Krankheitsphase die Bakterien über mehrere Wochen ausscheiden. In seltenen Fällen entwickeln sich erkrankte Pferde zu klinisch unauffälligen Dauerausscheidern. Die Streptokokken sind recht widerstandsfähig und können auch unter ungünstigen Bedingungen bis zu 2 Monate außerhalb der Pferde überleben. Deswegen ist zur Vermeidung einer Verbreitung der Erkrankung neben gründlicher Stallhygiene eine ausreichen lange Quarantäne unerlässlich.

Die Streptokokken gelangen über die Nasen- und/oder Maulschleimhaut in den Körper der Pferde. Der weitere Weg der Bakterien führt in der Regel über die Lymphbahnen in die regionalen Lymphknoten. Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 4 (-14) Tagen entwickeln die Pferde ein deutlich gestörtes Allgemeinbefinden, hohes Fieber, eitrigen Nasenausfluß, Husten und möglicherweise Kehlgangsschwellungen mit Schluckstörungen. Die zunächst geschwollenen Lymphknoten bilden innerhalb von 7 – 10 Tagen die drusetypischen Abszesse aus. Nach dem Aufplatzen oder Eröffnen der Abszesse entleert sich daraus hochgradig erregerhaltiger Eiter.

Es können atypische Krankheitsverläufe vorkommen, wobei die Symptomatik milder ist und Lymphknotenabszesse nur bei wenigen Pferden auftreten. Für die Stellung der Diagnose ist neben dem klinischen Bild der Nachweis von „Sc. equi ssp. equi“ aus dem Eiter abszedierter Lymphknoten oder aus Abstrichen der Nasenschleimhaut erforderlich. Die Behandlung richtet sich nach der Dauer und dem Grad der Erkrankung. Folgendes Konzept hat sich in der Praxis bewährt:


Für Pferde, die sich mit großer Wahrscheinlichkeit angesteckt haben, ist vor dem Auftreten klinischer Erscheinungen eine Behandlung mit Penicillin angeraten. Die Therapie sollte solange fortgeführt werden bis ein Infektionsrisiko nicht mehr gegeben ist.
Bei Pferden, die Krankheitsanzeichen haben, aber noch nicht unter Lymphknotenabszessen leiden, kann eine Penicillinbehandlung den Krankheitsverlauf abkürzen.
Bei Pferden mit Lymphknotenabszessen ist von einer Penicillinbehandlung dringend abzuraten, denn diese würde den Krankheitsverlauf nur verlängern. Zielführende Maßnahmen sind in diesen Fällen Isolation der Pferde, Wärmetherapie der erkrankten Lymphknoten, Abszeßspaltung und -spülung (siehe Abbildungen).
Schwer systemisch erkrankte Pferde mit Schluckstörungen und Atemnot benötigen über einen längeren Zeitraum (u.U. über Wochen) intravenöse Penicillinbehandlungen, entzündungshemmend und abschwellend wirkende Medikamente, Infusionstherapie und evtl. Ernährung über Magensonde.

Die Druseerkrankung kann als Folge von Absiedlung der Bakterien in andere Organsysteme zu verschiedenen Komplikationen führen. Erwähnt seien beispielhaft die Bildung innerer Abszesse in den Lymphknoten des Brust- oder Bauchraumes, die Entstehung von infektiösen Erkrankungen der Lunge, der Gelenke, des Zentralnervensystems und des Herzens sowie Kehlkopflähmungen oder chronische Vereiterungen der Luftsäcke.

Diese Auflistung unterstreicht die Bedeutung einer schnellen und nachvollziehbaren Diagnosestellung, ohne die keine zielgerichteten Behandlungen – auch zur Vermeidung dieser genannten Komplikationen - eingeleitet werden können.
Parallel zu Diagnostik und Therapie sind Maßnahmen der Prophylaxe zu ergreifen, die helfen, eine Weiterverbreitung der Infektion zu vermeiden:


Isolation des Bestandes: kein Pferd verläßt den Bestand und kein Pferd wird eingestallt bis die Infektion nachweislich beendet ist.
Personenverkehr minimieren, Schutzkleidung, Desinfektionsmaßnahmen
Identifikation von asymptomatischen Keimträgern / Ausscheidern
Trennung von infizierten und nachweislich negativen Pferden; die tägliche Temperaturkontrolle aller Pferde ermöglicht die frühzeitige Erkennung von Neuerkrankungen.
Nach Abklingen der klinischen Symptome, Überprüfung der Pferde (bakteriologische Untersuchung von Nasentupfern) auf Keimfreiheit

Eine grundsätzliche prophylaktische Überlegung ist, nach Möglichkeit den Kontakt zu Pferden unbekannter Herkunft zu vermeiden. Zum Schutz des Bestandes sollten als wichtige hygienische Maßnahme die neu aufgenommenen Pferde ca. 2 – 3 Wochen getrennt von dem Bestand gehalten werden (Quarantäne).

Ein auf dem Markt befindlicher „Druse-Impfstoff“ ist nach den „Leitlinien zur Impfung von Pferden“ des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte e.V. (BpT) ausschließlich als Notfallmaßnahme zur Verringerung der klinischen Symptome bei akut infektionsgefährdeten Pferden zu empfehlen. Die prophylaktische Impfung nicht akut infektionsgefährdeter Ter wird ausdrücklich nicht empfohlen.


Quellen:

Ainsworth,D.M. und R.P.Hackett: Disorders of the Respiratory System.
in: Reed,S.M. et al. (2004): Equine Internal Medicine; Saunders, St. Louis.

Ständige Impfkommission Vet. Im Bundesverband Praktizierender Tierärzte:
Leitlinien zur Impfung von Pferden.
www.tierärzteverband.de

www.pferd.vetmed.uni-muenchen.de/download/infosheet_druse.pdf


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