Das Equine metabolische Syndrom (EMS)

Definition

Das EMS ist eine endokrine Erkrankung und wird folgendermaßen definiert:

Adipositas (Fettleibigkeit) + Insulinresistenz + klinische oder subklinische Reheschübe in Abwesenheit von anderen erkennbaren Ursachen wie Endotoxämie oder akuter Überfütterung mit Stärke oder Fruktanen.

Pathomechanismus

Viele Pferde nehmen eine Futtermenge auf, die den eigenen Energiebedarf im Verhältnis zur geleisteten Arbeit deutlich übersteigt. Dies betrifft nicht nur Pferde, die in Zeiten geringerer Belastung zu viel Kraftfutter erhalten, sondern auch Pferde die vorwiegend von Raufutter ernährt werden.
Zusammenfassend gesagt: Es besteht eine Kombination aus Bewegungsmangel und einer hyperkalorischen Ernährung.
Daneben existiert bei Ponies und Robustrassen eine genetische Besonderheit, die an diese Tiere ein wechselndes Nahrungsangebot anpasst („thrifty genes“). In der futterreichen Jahreszeit (Sommer und Herbst) haben diese Pferde einen erhöhten Appetit und fressen sich ein Fettpolster an. Begleitend dazu besteht eine temporäre Insulinresistenz, so dass die aufgenommene Energie als Fett gespeichert werden kann. In der Winterzeit wird dann diese Energiereserve bei normaler Insulinempfindlichkeit genutzt. Nun werden diese Ponies und Robustrassen nur selten unter Berücksichtigung dieser Besonderheit gefüttert, was häufig zu einer Verfettung dieser Tiere führt.
Fettgewebe ist nicht nur Enegiespeicher, sondern – insbesondere das omentale Fett- auch hormonell aktiv. Diese vom Fettgewebe produzierten Adipokine (Leptin, TNF-α, Interleukin-6 und 11-β-Hydroxysteroiddehydrogenase) beeinflussen eine große Anzahl von Stoffwechselfunktionen.
Das Leptin hat dabei eine wichtige Funktion bei der Regulierung des Hungergefühles im ZNS.
TNF- α und Interleukin-6 sind Entzündungsmediatoren, die bei vermehrter Produktion zu einem chronisch systemischen Entzündungszustand führen.
Beide Fehlsteuerungen durch diese Hormone tragen zum Zustand der Insulinresistenz und der Entstehung der Hufrehe bei.
11-β-Hydroxysteroiddehydrogenase bewirkt eine Umwandlung von metabolisch inaktivem Kortison in das aktive Kortisol. Dieses Kortisol führt zu einer weiteren Zunahme von Fettgewebe und verstärkt die Insulinresistenz.
Insulinresistenz bedeutet die Unfähigkeit des insulinabhängigen Gewebes auf das zirkulierende Insulin adäquat zu reagieren. Diese verschlechterte „Insulinantwort“ der Zellen führt zu einer gesteigerten Insulinausschüttung mit chronisch erhöhtem Insulinspiegel.

Vorkommen und klinische Symptome

  • Pferde und Ponies im Alter von 6-20 Jahren
  • Robustrassen (genetische Prädisposition), aber auch Warmblüter
  • leichtfuttrige Tiere, die trotz Diät nicht abnehmen
  • i. d. R. deutliches Übergewicht
  • Leistungsschwäche
  • Charakteristische atypische Verteilung der subkutanen Fettpolster (Mähnenkamm, hinterer Rumpf und um die Schweifrübe herum und bei Wallachen häufig ein verdicktes Präputium)
  • akute oder subakute Hufrehe

Diagnostik

  • Einschätzung des Ernährungszustandes
  • Bestimmung von Glukose- und Insulinspiegel im Blut (Unterliegt starken Schwankungen bei Schmerzzuständen und ist daher nicht aussagekräftig bei einem akuten Reheschub!)
  • Intravenöser Glukosetoleranztest
  • Kombinierter Glukose-Insulin Test

Differentialdiagnose

Aufgrund von Ähnlichkeit in der Symptomatik und dem gehäuften Auftreten bei älteren Pferden muss differentialdiagnostisch auch an das „equine Cushing Syndrom“ gedacht werden.

Therapie

  • Bewegung (bei akuter Rehe nicht möglich)
  • Futterumstellung und/oder Diät (Vermeidung von Futter mit hohem glykämischen Index: kein Kraftfutter, Heu mit nicht mehr Gehalt als 10% an Zucker und an Stärke; wässern des Heus entzieht nochmals lösliche Kohlenhydrate; Keine Karotten, Äpfel, Weizenkleie, Melasse etc.; Weidegang wegen des hohen Fruktangehaltes im Gras vermeiden;) Fazit: Kein Krippenfutter und dafür stärke- und zuckerarmes Heu; Die Pferde nicht Hungern lassen, da unter diesem Futterentzug vermehrt Fette abgebaut werden und die Tiere in die nächste Soffwechselerkrankung (Hyperlipidämie) entgleiten können.
  • Medikamente Es gibt keine wirksamen Medikamente deren Erfolg und Sicherheit beim Pferd eindeutig nachgewiesen ist. Jedoch sollten Folgeerkrankungen wie z.B. die akute Hufrehe medikamentell behandelt werden.
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