Die Rhodococcus equi - Infektion

Um was für eine Erkrankung handelt es sich?

In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland in zunehmendem Maße Rhodococcus equi-Erkrankungen diagnostiziert.

Das Bakterium ist der bedeutendste Erreger eitriger Lungenentzündungen beim Fohlen.

Die Krankheit weist Ähnlichkeiten auf mit der Tuberkulose beim Menschen. Es erkranken jedoch nur Pferde bis zu einem Alter von sechs Monaten, da das Immunsystem danach stark genug ist, um einen Krankheitsausbruch zu verhindern. Da es sich um eine ansteckende Erkrankung handelt, sind häufig mehrere Fohlen eines Bestandes betroffen und seine Eigenschaft als Bodenbewohner ermöglicht es Rhodococcus equi sich bis zur nächsten Fohlensaison im Boden zu halten, so dass sich der nächste Fohlenjahrgang erneut infizieren kann. So kommt es häufig zu einem jährlich wiederkehrenden Bestandsproblem. Ohne Behandlung kann die Erkrankungsrate in solch einem Bestand 60-70 % betragen und 80% der erkrankten Fohlen können daran sterben.

Es ist also sehr wichtig die Krankheit rechtzeitig zu erkennen und mit wirksamen Medikamenten zu behandeln, da die lebensbedrohliche Erkrankung sonst zu hohen Verlusten führen kann.



Wie kann die Erkrankung erkannt werden?

Auch wenn die Erscheinungsformen dieser Erkrankung unterschiedlich sein können, stehen Symptome einer chronischen Atemwegserkrankung deutlich in Vordergrund. Die Fohlen zeigen Husten, Fieber, eitrigen Nasenausfluss eventuell auch schon Atemnot, Apathie oder ein rasselndes Geräusch beim Atmen. In diesem Fall sollte auf jeden Fall ein Tierarzt hinzugezogen werden, der durch eine Blutuntersuchung die Höhe der Entzündungszellen ( Leukozyten ) ermitteln und die Lunge abhorchen sowie mit dem Ultraschallgerät auf Eiterherde hin untersuchen kann. Eine Isolierung des Keims aus Tupferproben gelingt nicht zuverlässig.

Mit dem bloßen Auge ist die Rhodokokkose nicht von einer „normalen Erkältung“ zu unterscheiden.

Ist ein Fohlen in einem Bestand im aktuellen oder im Vorjahr schon einmal durch Rhodococcus equi erkrankt, sollten die weiteren Fohlen immer genau beobachtet werden, damit man gleich bei den ersten Symptomen schnell reagieren kann. Dies ist wichtig, da der erste Krankheitsabschnitt nicht selten völlig symptomfrei verläuft und die Fohlen erst dann auffällig werden, wenn sie schon sehr schwer erkrankt sind.

Weitere, jedoch seltene Krankheitsformen sind Darmerkrankungen mit Koliksymptomatik und Durchfall, Gelenksinfektionen mit Gelenkerguss und Lahmheit oder Abszessbildung in inneren Organen. Bei einer ganz seltenen Verlaufsform versterben die Fohlen in wenigen Stunden ohne vorher auffällig gewesen zu sein.


Was ist die Ursache?

Der Erreger kommt fast weltweit im Erdboden vor. Er wird hauptsächlich über die Atemluft aufgenommen, was durch trockenes, warmes Wetter und staubigen Untergrund begünstigt wird.

Der Infektionsdruck ist am höchsten, wenn ein Betrieb viele Mutterstuten und Fohlen umfasst, zumal wenn die Erkrankung schon einmal aufgetreten ist und immer dieselben Weiden und Paddocks genutzt werden.

Der Erreger kann sich in erkrankten Fohlen und auch im Darm gesunder Fohlen vermehren, so dass dadurch das Infektionsrisiko steigt. Auch gesunde, erwachsene Pferde, die aus einem Betrieb mit erkrankten Fohlen kommen, können den Erreger übertragen.
Fohlen, die eine Vorerkrankung hatten, mager oder geschwächt sind erkranken eher, als gut entwickelte, gesunde Tiere.


Wie kann die Erkrankung behandelt werden?

Am effektivsten ist die Gabe einer Kombination von zwei speziellen Antibiotika
( Makrolidantibiotikum + Rifampicin ).

Eine Therapie dauert immer 4 - 12 Wochen und die Kosten für die Antibiotika betragen bei einem 120kg schweren Fohlen ca.100 Euro pro Woche.

Die meisten routinemässig in Tierarztpraxen eingesetzten Antibiotika, wie z.B. Penicilline sind nicht wirksam. Unterstützend können fiebersenkende, schleimlösende und Bronchien erweiternde Medikamente eingesetzt werden.
Wichtig ist auch, eine optimale Haltung erkrankter Fohlen, d.h. keine staubige oder stickige Luft, keine direkte Sonneneinstrahlung an heißen Tagen bei Fieber und keine körperliche Anstrengung bei Atemnot.

Wenn die Erkrankung rechtzeitig erkannt und gezielt und konsequent behandelt wird ist die Prognose gut und die spätere Leistungsfähigkeit des Pferdes wird nicht beeinträchtigt.


Was kann vorbeugend getan werden?

  • Stuten mit Fohlen nicht auf Weiden mit staubigem Untergrund oder Sandpaddocks halten und möglichst zwischen Beweidung mit Stuten und Fohlen und Beweidung mit erwachsenen Pferden oder anderen Tierarten wechseln.
  • Wenn Pferde aus einem anderen Zuchtbetrieb kommen, fragen ob es dort Rhodococcus equi-Erkrankungen gibt und sie somit Überträger sein könnten.
  • Wenn in einem Betrieb schon regelmäßig Fohlen an Rhodokokkose erkranken, bei allen Fohlen auf Husten, Mattigkeit und veränderte Atmung achten, eventuell regelmässig Fiebermessen und ggf. tierärztlich untersuchen lassen, um die Erkrankung früh zu erkennen und zu behandeln. In stark betroffenen Beständen kann ein systematisches Überwachungsprogramm notwendig sein.
  • Stallhygiene und Isolation erkrankter Fohlen
  • Optimales Management der Mutterstuten und der Fohlen in den ersten Lebenswochen, d.h. auf Kolostrumaufnahme (Biestmilch) der Fohlen achten, Mutterstuten regelmässig gegen Influenza und Herpes impfen, Stuten und Fohlen regelmässig entwurmen.

Ein gutes Hygiene- und Haltungsmanagement kann die allgemeinen Bedingungen für die Fohlen zwar verbessern, aber das Auftreten von Rhodococcus equi-Erkrankungen nicht sicher verhindern!

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