Fehlanpassungssyndrom (NFS)

Definition

Das NFS zählt bereits seit Generationen zu einer der am meisten vorkommenden Erkrankung bei neugeborenen Fohlen. Es handelt sich dabei um eine nichtinfektiöse Erkrankung, deren Erscheinungsbild von milden bis hochgradigen Abweichungen vom Normalverhalten eines Fohlens gekennzeichnet ist.

Ätiologie

Die zugrunde liegenden pathophysiologischen Vorgänge bei dieser Erkrankung des Fohlens sind noch völlig unklar. Aufgrund von Parallelen zu einem Erkrankungsbild aus der Humanmedizin, wird als Ursache der Erkrankung einer perinatalen Hypoxie/Asphyxsie vermutet.
Die Ursachen für eine Sauerstoffunterversorgung des Fetus bzw. Neugeborenen sind vielfältig:

Maternale Ursachen

  • Reduzierte Sauerstoffversorgung durch die Mutterstute (Anämie, Lungenerkrankungen, kardiovaskuläre Erkrankungen)
  • Verminderte Durchblutung der Plazenta (erhöhter oder verminderter Blutdruck, abnormale Uteruskontraktionen etc.)

Placentare Ursachen

  • Vorzeitige (Teil-)ablösung der Plazenta
  • Plazentare Insuffizienz (z.B. bei Zwillingen)
  • Plazentare Dysfunktionen (Plazentitis, Plazentaödem etc.)
  • Verminderte Nabelschnurdurchblutung

Geburtsabhängige Ursachen

  • gestörter Geburtsverlauf
  • Geburtseinleitung
  • Kaiserschnitt

Neonatale Ursachen

  • Prämaturität (Unreifes Fohlen)
  • Lungenerkrankungen (Mekonium- oder Milchaspiration, septische Pneumonie etc.)
  • Septischer Schock
  • Anämie (neonatale Isoerythrolyse, starke Nabelschnurblutungen etc.)
  • Angeborene kardiovaskuläre Erkrankungen

Das Fehlanpassungssyndrom wird bei Fohlen verschiedenster Rassen und weltweit gefunden.

Symptome

Kategorie 1:
Zeitgerechte Geburt ohne Besonderheiten. Das Fohlen erscheint bei der Geburt normal. Erste Anzeichen sind 6-24 h nach der Geburt zu beobachten.

Kategorie 2:
Schwieriger Geburtsverlauf oder veränderte Plazenta. Das Fohlen erscheint von Anfang an nicht normal.

  • Verhaltensstörungen: Fohlen suchen nicht nach dem Euter, strecken die Zunge heraus und niesen, z. T Überempfindlichkeit bei Berührungen
  • Fehlender Saugreflex, keine Futteraufnahme
  • Unfähigkeit aufzustehen oder länger stehenzubleiben, zielloses Umherwandern, ungerichtete Galoppbewegung.
  • Zentrale Blindheit, Pupillen unteschiedlich weitgestellt
  • Ophistotonus (überstreckte Kopf-Hals-Haltung), Verlust der Körperspannung
  • Krämpfe
  • Koma oder tiefer Schlaf
  • Abnorme Atemmuster, Atemnot, erhöhte Atemfrequenz
  • erhöhte Herzfrequenz (mehr als 150 Schläge pro Minute), pochender Puls
  • verminderter oder gar kein Harnabsatz aufgrund beeinträchtigter Nierenfunktion
  • Durchfall, Kolik, Darmverschluß und Darmentzündungen als Folge der mangelhaften Sauerstoffversorung des Magen-Daram-Traktes
  • Blutarmut

Diagnose

Die Diagnose NFS wird fast immer im Ausschlußverfahren gestellt, da es keine spezifischen, klinischen und labordiagnostischen Untersuchungen gibt, die einen eindeutigen pathognomonischen Befund ergeben können.
Das gesamte Blutbild und die Blutgasanalyse können ohne besondere Befunde sein, sogar die zerebrospinale Flüssigkeit ist oft unverändert in ihrer Zusammensetzung.

Therapie

Das Ziel der Therapie ist:

  • Kontrolle der Krampfzustände
  • Korrektur von Stoffwechselstörungen
  • Stabilisierung der arteriellen Blutgaswerte
  • Gewährleistung einer guten Gewebedurchblutung
  • Aufrechterhaltung/Stabilisierung einer guten Nierenfunktion
  • Behandlung von Störungen des Magen- und Darmtraktes
  • Vorbeugung und Behandlung von Sekundärinfektionen

Eine erfolgreiche Behandlung setzt voraus, dass das Fohlen unverzüglich in eine
24-Stunden-intensiv-Betreuung einer Klinik gelangt.
Permanente Beobachtung, Kontrollen der Organsysteme, Laborscreenings und künstliche Ernährung sind unerlässlich.

Prognose

Die Prognose für Fohlen mit NFS ist gut, wenn der Zustand des Fohlens frühzeitig erkannt und eine intensive Therapie begonnen werden kann.

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