Fohlengeburt

In dem folgenden Newsletter hat Ihnen unser Kollege Florian Henning wissenswerte Fakten zum Thema Geburt eines Fohlens und dessen Erstversorgung zusammengestellt.


Trächtigkeit:
Die normale Trächtigkeitsdauer bei der Stute beträgt 320-360 Tage (11 Monate), es können jedoch individuelle Schwankungen von 305-375 Tagen Tragedauer vorkommen.
Das endgültige Ausreifen zum lebensfähigen Fohlen erfolgt in den letzten 4 Tagen der Trächtigkeit.

Vorbereitung
Etwa sechs Wochen vor dem Geburtstermin sollte die Stute zumindest nachts in den Stall, bzw. die Box gebracht werden, in der sie fohlen soll. Diese Zeit benötigt die Stute, um sich mit den stallspezifischen Keimen auseinander zu setzen und Antikörper dagegen zu bilden. Die Antikörper gibt sie dann über die erste Milch, die das Fohlen aufnimmt, das sog. Kolostrum oder Biestmilch, an das Fohlen weiter. Die Aufnahme des Kolostrums ist für das Fohlen lebensnotwendig, da es praktisch ohne Antikörper geboren wird.
Die Box sollte groß genug sein um Stute und Fohlen ausreichend Ausweichmöglichkeiten zu bieten und mit sauberem, frischem Stroh in ausreichender Menge eingestreut werden.

Geburt
Die Geburt wird vom Fohlen eingeleitet. Rund um den Geburtstermin sollte die Stute intensiv beobachtet werden, um die nahende Geburt anhand der folgenden Geburtsanzeichen zu erkennen.
Als Geburtsanzeichen können ein Einfallen der Beckenbänder, ein Größerwerden des Euters, Harztropfen am Euter und/oder ein Unterbauchödem erkannt werden. Außerdem wird die Scheide länger und eine Fältelung tritt auf.

Die Geburt selber kann man in 3 Phasen einteilen:

Öffnungsphase: Während der Öffnungsphase kommt es zur passiven Öffnung des Muttermundes und das Fohlen wird in die richtige Austreibungsposition gebracht, was allerdings einige Stunden dauern kann. Die Stute kann das Fortschreiten der Geburt um mehre Stunden hinauszögern, bis sie sich sicher und ungestört fühlt. Aus diesem Grund finden auch die meisten Fohlengeburten nachts zwischen 21.00 und 6.00 Uhr statt.
Anzeichen, die während der Öffnungsphase an der Stute zu beobachten sind, sind Unruhe, Schwitzen, Schweifschlagen, häufiger Harn- und Kotabsatz in kleinen Mengen und häufiges Aufstehen und Niederlegen.

Austreibungsphase: Die Austreibungsphase dauert ca. 20 Minuten. Sie ist gekennzeichnet durch starke Wehen und den Blasensprung mit Abgang des Fruchtwassers. Die Stute legt sich hin, meist in Seitenlage.
Das Fohlen beginnt, sobald der Kopf aus der Scheide ausgetreten ist, zu atmen. Sollte es zu diesem Zeitpunkt noch von Eihäuten bedeckt sein, müssen diese vorsichtig aufgerissen und entfernt werden, damit die Atemwege des Fohlens frei sind.

Nachgeburtsphase: Die Nachgeburtsphase schließt sich an die Geburt des Fohlens an. Sie dauert ca. eine Stunde und ist mit dem vollständigen Abgang der Nachgeburt beendet. Ist nach spätestens 3 Stunden die Nachgeburt noch nicht vollständig abgegangen, spricht man von einer Nachgeburtsverhaltung, welche als Notfall zu betrachten ist, und auf jeden Fall der tierärztlichen Behandlung bedarf.
Ist die Nachgeburt abgegangen, sollte sie auf Vollständigkeit kontrolliert werden, da es selbst bei kleinen in der Gebärmutter verblieben Resten zu schweren Entzündungen und zu Komplikationen bei der Stute, wie z.B. Geburtsrehe, kommen kann.

Nach der Geburt:

Prägung:
Beginnend während der Austreibungsphase bis 2-3 Tage nach der Geburt erfolgt die Prägungsphase zwischen Stute und Fohlen. Um diese optimal zu gestalten, sollten Stute und Fohlen weitestgehend in Ruhe gelassen werden, d.h. jeder unnötige menschliche Kontakt ist zu vermeiden. Fühlt sich die Stute in dieser Zeit gestört, kann es zu Fehlprägung des Fohlens kommen, bzw. zu einem Wegstoßen des Fohlens, was das Überleben des Fohlens ernstlich gefährden kann, da es die extrem wichtige Biestmilch mit den lebensnotwendigen Antikörpern nicht aufnehmen kann.

Nabeldesinfektion: Nachdem die erste Kontaktaufnahme zwischen Stute und Fohlen stattgefunden hat muss der Nabel desinfiziert werden. Dies geschieht durch Eintauchen des Nabels in desinfizierende Lösungen, wie z.B. 0,5% Chlorhexidinlösung oder 2% Jodlösung. Der Prozess sollte in den ersten 3 Lebenstagen des Fohlens zweimal täglich wiederholt werden. Vierzehn Tage lang sollte der Nabel kontrolliert werden, ob er trocken und geschlossen ist, da es in diesem Zeitraum zu aufsteigenden Infektionen durch den Nabel kommen kann. Normalerweise reißt die Nabelschnur beim ersten Aufstehen der Stute nach der Geburt an einer vorgesehenen Stelle ca. 3-5 cm von der Bauchwand entfernt ab. Hierbei können kleinere Blutungen auftreten, die jedoch in der Regel rasch zum Stehen kommen.
Reißt die Nabelschnur nicht von selber sollte sie vorsichtig durchgerissen und nicht geschnitten werden, da es beim Schneiden nicht zu dem gewünschten Zusammenziehen der Nabelgefäße kommt und somit vermehrt Blutungen auftreten können. Sollten Blutungen aus dem fohlenseitigen Teil der Nabelschnur auftreten, muss der Nabelstrang abgebunden werden. Eine nachfolgende tierärztliche Kontrolle ist angeraten.

Trinken des Fohlens: Ca. 15-30 Minuten nach der Geburt beginnt das Fohlen mit den ersten Aufstehversuchen. Sobald es steht beginnt es mit der Suche nach dem Euter und anschließend mit dem Trinken. Auch wenn man das Gefühl hat, dass sich das Fohlen zu ungeschickt anstellt, sollte man sich in Geduld üben und nicht zu früh eingreifen, da man dadurch Stute und Fohlen mehr irritiert als ihnen zu helfen. Ist das Fohlen jedoch nach einer Stunde noch nicht aufgestanden, bzw. hat es nach zwei Stunden noch keine Milch aufgenommen, so muss man doch eingreifen, da die Fohlen mit nur geringen Fettreserven geboren werden und schnell zu wenig Kraft zur selbständigen Milchaufnahme haben. Außerdem muss es innerhalb der ersten 24 Lebensstunden mindestens drei Liter Kolostrum aufnehmen. Danach schließt sich die Darmschranke des Fohlens und die Immunglobuline (Antikörper) können aus dem Darm nicht mehr resorbiert werden, wodurch das Fohlen dann keinen Schutz gegen Krankheitserreger hat. Um zu überprüfen, ob es genügend Biestmilch aufgenommen hat, kann man mit einem Schnelltest, dem sog. „SNAP-Test“ den Antikörpergehalt im Blut des Fohlens bestimmen. Ist dieser Wert zu niedrig, kann dem Fohlen , so lange die Darmschranke noch nicht geschlossen ist, mit der Nasenschlundsonde Biestmilch direkt in den Magen verabreicht werden. Später kann der mangelnde Immunglobulingehalt nur noch über eine Plasmainfusion ausgeglichen werden.

Abgang des Darmpechs: Da das Fohlen im Laufe der Trächtigkeit Fruchtwassers aufnimmt, bildet sich im Darm eine klebrig braune Masse, das Darmpech (Mekonium). Durch die erste Milchaufnahme wird die Darmtätigkeit angeregt und es kommt zum Absetzen des Darmpechs. Besonders bei Hengstfohlen kann es jedoch zu einem Eintrocknen und Verkleben des Mekoniums kommen, sodass dieses nicht mehr abgesetzt werden kann. Die Fohlen zeigen dann mitunter starke Koliksymptome. So ein Mekoniumverhalten kann durch die Verabreichung eines Klistiers, direkt nach der ersten Milchaufnahme, verhindert werden.

Zusammenfassung:

1,2,3 Regel:

Nach 1 Stunde sollte das Fohlen stehen.
Nach 2 Stunden muss es saugen.
Nach 3 Stunden muss die Nachgeburt abgegangen sein. Nach maximal 6 Stunden muss ein tierärztliches Eingreifen erfolgt sein.

Fohlenkiste
Da die Geburt des Fohlens ein schönes aber auch aufregendes Ereignis ist und man als Besitzer meist doch etwas angespannt ist, sollte man im Vorfeld schon einige Sachen in einer „Fohlenkiste“ herrichten:

  • Jodlösung + Dipgefäß zur Nabeldesinfektion
  • Waschlotion (z.B. Jodseife)
  • Handtücher
  • Einweghandschuhe
  • Eimer für die Nachgeburt
  • Strick, um die Nachgeburt bei einer Nachgeburtsverhaltung hochzubinden
  • Bandagen (zum Bandagieren des Schweifes)
  • Nabelschnurklemme
  • Fieberthermometer
  • Telefonnummern von Tierarzt, Händlern von Kolostralmilchersatz und Fohlenmilch.
  • Gleitgel *
  • Geburtsstricke *
  • Klistier *
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